Wer mehrere Medikamente gleichzeitig einnimmt, hat ein erhöhtes Risiko für Wechselwirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen. Der Medikationscheck in der Apotheke hilft, Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und zu minimieren – ein Angebot, das insbesondere für ältere Patienten und chronisch Kranke von großem Nutzen ist.
Was ist Polymedikation?
Von Polymedikation spricht man, wenn ein Patient dauerhaft fünf oder mehr verschiedene Arzneimittel einnimmt. Dies ist besonders häufig bei älteren Menschen, die mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig behandeln. In Deutschland sind schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der über 65-Jährigen von Polymedikation betroffen. Werden auch rezeptfreie Mittel und Nahrungsergänzungsmittel berücksichtigt, liegt die Zahl noch deutlich höher.
Risiken der Polymedikation
- Erhöhte Anzahl potenzieller Wechselwirkungen zwischen den Arzneimitteln
- Gesteigertes Sturzrisiko durch sedierende oder blutdrucksenkende Kombinationen
- Belastung von Niere und Leber durch die Abbaulast mehrerer Wirkstoffe
- Schlechtere Therapietreue (Compliance), wenn Einnahme kompliziert oder belastend ist
- Erhöhte Kosten für Patient und Krankenversicherung durch Mehrverordnungen
- Unerwünschte Nebenwirkungen, die fälschlicherweise als neue Erkrankungen behandelt werden
Der Medikationscheck in der Apotheke
Beim Medikationscheck analysiert der Apotheker alle Medikamente eines Patienten systematisch und umfassend. Geprüft wird auf:
- Wechselwirkungen (Interaktionen) zwischen allen eingenommenen Präparaten
- Doppelverordnungen, wenn verschiedene Ärzte denselben oder ähnliche Wirkstoffe verschreiben
- Nicht mehr notwendige Medikamente, die abgesetzt werden könnten
- Zu hohe oder zu niedrige Dosierungen, insbesondere bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion
- Medikamente aus der PRISCUS-Liste, die für ältere Patienten als riskant gelten
- Einnahmefehler oder -hindernisse (z.B. Schwierigkeiten beim Schlucken von Tabletten)
So läuft ein Medikationscheck ab
Der Patient bringt alle Medikamente – einschließlich rezeptfreier Mittel, pflanzlicher Präparate und Nahrungsergänzungsmittel – mit in die Apotheke. Der Apotheker erfasst alle Präparate in einem Fachinformationssystem, das automatisch bekannte Interaktionen identifiziert. Das Ergebnis wird ausführlich mit dem Patienten besprochen. Bei klinisch relevanten Problemen wird der behandelnde Arzt informiert, um gemeinsam Anpassungen vorzunehmen. Der gesamte Prozess dauert in der Regel 20 bis 45 Minuten.
Gesetzlicher Anspruch auf den Medikationsplan
Gesetzlich Versicherte, die dauerhaft mindestens drei verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen, haben seit 2016 gesetzlichen Anspruch auf einen Medikationsplan vom Arzt. Dieser Plan enthält alle verordneten Arzneimittel mit Dosierung, Einnahmezeitpunkten und Anwendungshinweisen. Die Apotheke kann den Plan ergänzen, aktualisieren und auf Wunsch auch rezeptfreie Mittel eintragen. Zukünftig wird der Medikationsplan vollständig digital über die elektronische Patientenakte (ePA) zugänglich sein.
Wann ist ein Medikationscheck besonders empfehlenswert?
Ein Medikationscheck lohnt sich immer dann, wenn ein neues Medikament hinzukommt, wenn Sie von mehreren verschiedenen Ärzten behandelt werden, nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen ein Medikament nicht bekommt. Sprechen Sie Ihren Apotheker aktiv darauf an – das Gespräch ist kostenlos und kann Ihre Sicherheit erheblich verbessern.