Generika sind Arzneimittel, die denselben Wirkstoff wie ein Originalmedikament (Markenmedikament) enthalten und nach Ablauf des Patentschutzes von anderen Herstellern produziert werden dürfen. Sie sind in der Regel deutlich günstiger als die Originalpräparate und spielen eine zentrale Rolle bei der Kostensteuerung im deutschen Gesundheitssystem.

Gleicher Wirkstoff, gleiches Prinzip

Ein Generikum enthält denselben Wirkstoff in derselben Menge und Stärke wie das Originalprodukt. Auch die Darreichungsform (Tablette, Kapsel, Saft etc.) und der Anwendungsweg sind identisch. Um zugelassen zu werden, muss ein Generikum nachweisen, dass es im Körper genauso wirkt wie das Original – man spricht von Bioäquivalenz. Die zulässige Abweichung liegt dabei bei ±20 %, was in der Praxis jedoch selten ausgeschöpft wird und klinisch kaum relevant ist.

Was kann sich unterscheiden?

Obwohl der Wirkstoff identisch ist, können Generika in einigen Punkten vom Original abweichen:

  • Hilfsstoffe: Füllstoffe, Farbstoffe, Konservierungsmittel und andere Hilfsstoffe können variieren. Für Menschen mit Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit oder bestimmten Farbstoffallergien kann dies relevant sein – sprechen Sie Ihre Apotheke an.
  • Aussehen: Form, Farbe, Größe und Geschmack der Tabletten unterscheiden sich häufig. Das kann besonders für ältere Patienten oder Kinder verwirrend sein.
  • Retardierungsmechanismus: Bei Retardpräparaten, die den Wirkstoff verzögert freisetzen, können unterschiedliche Mechanismen eingesetzt werden, die zu leichten Unterschieden im Wirkungsverlauf führen können.

Sind Generika genauso sicher und wirksam?

Ja – für die überwiegende Mehrheit der Patienten und Indikationen. Generika unterliegen denselben strengen Zulassungsanforderungen wie Originalpräparate. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) sowie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) überwachen Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit aller zugelassenen Arzneimittel. Bei bestimmten Substanzen mit enger therapeutischer Breite – wie Schilddrüsenhormonen, bestimmten Antiepileptika oder Immunsuppressiva – sollte jedoch ein einmal eingestelltes Präparat nicht ohne ärztliche Rücksprache gewechselt werden.

Warum sind Generika günstiger?

Der Hersteller des Originalmedikaments hat jahrelange Forschungs- und Entwicklungskosten investiert, um einen neuen Wirkstoff auf den Markt zu bringen. Diese Kosten werden über den Patentschutz (in der Regel 20 Jahre ab Anmeldung, wobei die Zulassung einen Teil davon aufzehrt) wieder hereingeholt. Generikahersteller übernehmen nach Patentablauf die erprobte Produktionstechnologie ohne eigene Wirkstoffentwicklung. Die damit eingesparten Kosten werden an Patienten und Krankenversicherungen weitergegeben – in Deutschland spart die GKV dadurch jährlich Milliarden Euro.

Aut-idem-Regelung in der Apotheke

Gesetzlich Krankenversicherte erhalten grundsätzlich das günstigste verfügbare Generikum, das Rabattverträge der Krankenkassen berücksichtigt. Diesen Austausch nennt man "Aut-idem" (lateinisch: "oder das Gleiche"). Der Arzt kann den Austausch durch Ankreuzen des Aut-idem-Feldes auf dem Rezept ausschließen – zum Beispiel bei Epilepsie oder anderen Erkrankungen, bei denen ein Präparatewechsel riskant ist.

Wenn das Generikum nicht vertragen wird

In seltenen Fällen berichten Patienten von unterschiedlichen Verträglichkeiten zwischen Original und Generikum. Dies kann auf abweichende Hilfsstoffe oder den Nocebo-Effekt (negative Erwartungshaltung) zurückzuführen sein. Wenn Sie das Gefühl haben, ein Generikum weniger gut zu vertragen, sprechen Sie Ihren Arzt oder Apotheker an – es gibt immer Möglichkeiten, eine für Sie passende Lösung zu finden.