Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel (NEM) wächst seit Jahren auf mehrere Milliarden Euro jährlich in Deutschland. Vitaminpräparate, Mineralstoffkomplexe und "Superfoods" versprechen mehr Energie, bessere Gesundheit und höhere Leistungsfähigkeit. Doch wann sind NEM wirklich sinnvoll – und wann sind sie überflüssig oder sogar riskant?

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich keine Arzneimittel, sondern Lebensmittel. Sie liefern konzentrierte Nährstoffe in Kapseln, Tabletten, Pulver- oder Flüssigform. Entscheidend: NEM dürfen keine Heilversprechen machen, also nicht beanspruchen, spezifische Krankheiten zu heilen oder zu behandeln. Die Zulassung ist deutlich weniger streng als bei Arzneimitteln – es gibt keine verpflichtende klinische Prüfung auf Wirksamkeit und Sicherheit. Viele NEM gelangen ohne behördliche Prüfung auf den Markt.

Wann NEM medizinisch sinnvoll sind

In bestimmten Lebenssituationen oder bei nachgewiesenem Mangel kann die gezielte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln medizinisch sinnvoll sein:

  • Vitamin D: In Deutschland herrscht besonders von Oktober bis März ein verbreiteter Mangel, da die Sonneneinstrahlung zur körpereigenen Synthese nicht ausreicht. Eine Supplementierung mit 800–2000 IE täglich ist für viele Menschen sinnvoll – insbesondere für Senioren, Menschen mit wenig Sonnenlichtexposition und Dunkelhäutige.
  • Folsäure (Vitamin B9): Für Frauen mit Kinderwunsch und in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen dringend empfohlen – reduziert das Risiko von Neuralrohrdefekten beim Kind erheblich.
  • Vitamin B12: Bei veganer und streng vegetarischer Ernährung ist eine Supplementierung in der Regel notwendig, da B12 fast ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt.
  • Jod: Die deutschen Böden sind jodarm. Jodiertes Speisesalz und Seefisch sind wichtig; bei unzureichender Zufuhr kann ein Jodpräparat sinnvoll sein – besonders in der Schwangerschaft.
  • Eisen: Bei nachgewiesenem Eisenmangel (z.B. bei stark menstruierenden Frauen, Vegetarierinnen oder Leistungssportlern) auf Basis eines Bluttests.
  • Omega-3-Fettsäuren: Bei sehr geringem Fischkonsum kann eine Supplementierung mit EPA/DHA für Herz und Gehirn vorteilhaft sein.

Wann NEM überflüssig oder riskant sind

Wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, benötigt in der Regel keine zusätzlichen Nährstoffe. Der verbreitete Glaube, dass "mehr immer besser ist", ist falsch und kann gefährlich werden. Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A und D werden im Körper gespeichert und können bei dauerhafter Überdosierung toxisch wirken. Zu viel Eisen kann oxidativen Stress fördern. Beta-Carotin-Präparate in hohen Dosen erhöhen bei Rauchern nachweislich das Lungenkrebsrisiko. Multivitaminpräparate zeigen in großen Studien für gesunde Erwachsene mit ausgewogener Ernährung keinen messbaren gesundheitlichen Nutzen.

Qualitätskriterien beim Kauf

Der NEM-Markt ist wenig reguliert. Unabhängige Tests (Stiftung Warentest, ÖKO-TEST) zeigen regelmäßig Mängel bei Dosierungsangaben, Reinheit und deklarierten Inhaltsstoffen. Verbraucher sollten auf Produkte mit anerkannten Prüfsiegeln achten (z.B. GMP-zertifizierte Hersteller) und renommierte Hersteller aus deutschen Apotheken gegenüber billigen Online-Angeboten bevorzugen. In der Apotheke erhältliche Präparate werden gezielt eingekauft und unterliegen einer gewissen Qualitätssicherung.

Bluttest als Grundlage

Lassen Sie vor Beginn einer Nahrungsergänzung beim Arzt prüfen, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt. Ein gezielter Bluttest schützt vor unnötigen Ausgaben, verhindert Überdosierungen und ermöglicht eine gezielte, bedarfsorientierte Supplementierung. Ihre Apotheke berät Sie zu sinnvollen Produkten und kann Ihnen helfen, die Dosis richtig einzuschätzen.