Manchmal müssen Medikamente vom Markt zurückgerufen werden – wegen Qualitätsmängeln, Verunreinigungen, Produktionsfehlern oder neu erkannten Risiken. Das klingt beunruhigend, ist aber ein Zeichen dafür, dass das Pharmakovigilanzsystem funktioniert. Wichtig ist zu wissen, wie man von einem Rückruf erfährt und wie man richtig reagiert.

Ursachen für Arzneimittelrückrufe

Arzneimittelrückrufe können viele unterschiedliche Ursachen haben, die unterschiedlich schwerwiegend sind:

  • Chemische Verunreinigungen: Bekanntestes Beispiel sind Nitrosamine (krebsverdächtige Verunreinigungen), die seit 2018 in verschiedenen Blutdrucksenkern und anderen Präparaten gefunden wurden – dies führte zu umfangreichen europaweiten Rückrufen
  • Falsche Dosierungen: Produktionsfehler können dazu führen, dass Tabletten mehr oder weniger Wirkstoff enthalten als angegeben
  • Mikrobiologische Kontaminationen: Besonders kritisch bei sterilen Injektionspräparaten oder Augentropfen
  • Verpackungs- oder Kennzeichnungsfehler: Falsche Beipackzettel, verwechselte Packungen oder fehlende Sicherheitsmerkmale
  • Neu erkannte Sicherheitsrisiken: Nach der Zulassung können in der Praxis schwerwiegende Nebenwirkungen erkannt werden, die vorher nicht bekannt waren

Wer initiiert einen Rückruf?

Rückrufe können freiwillig vom Hersteller selbst eingeleitet oder auf behördliche Anordnung durchgeführt werden. In Deutschland ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die zuständige Bundesbehörde für die Überwachung, Koordination und Veröffentlichung von Arzneimittelrückrufen. Auf europäischer Ebene koordiniert die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) grenzüberschreitende Rückrufe. Alle Rückrufe werden auf der BfArM-Website unter dem Bereich "Arzneimittelsicherheit" veröffentlicht.

Wie erfahre ich von einem Rückruf?

  • Apotheke: Stammapotheken, die Ihre Kundendaten und Ihren Medikationsplan kennen, können Sie proaktiv über betroffene Packungen informieren
  • BfArM-Website: Aktuelle und archivierte Rückrufe unter www.bfarm.de (Bereich: Arzneimittelsicherheit → Rückrufe)
  • Medienberichterstattung: Bedeutende Rückrufe werden von Nachrichtenagenturen und Gesundheitsmedien aufgegriffen
  • Krankenversicherung: Manche Krankenkassen informieren ihre Versicherten aktiv bei Rückrufen mit Bezug zur bekannten Medikation
  • Rückruf-Benachrichtigungsdienste: Verschiedene Anbieter bieten kostenlose Benachrichtigungen per E-Mail oder App für Arzneimittelrückrufe an

Was tun, wenn mein Medikament betroffen ist?

  1. Ruhe bewahren und die Bekanntmachung genau lesen: Ist Ihre Chargennummer (auf der Packung) tatsächlich betroffen?
  2. Bei lebensnotwendiger Dauertherapie: Nicht eigenmächtig absetzen, sondern zuerst den Arzt oder die Apotheke kontaktieren, um eine Alternative zu erhalten
  3. Die betroffene Packung zur Apotheke zurückbringen – Sie erhalten den Kaufpreis erstattet oder eine unbeschädigte Ersatzpackung
  4. Falls Sie möglicherweise durch das betroffene Medikament Nebenwirkungen bemerkt haben, informieren Sie Ihren Arzt
  5. Nebenwirkungsverdacht können Sie auch direkt beim BfArM oder über das europäische Portal EudraVigilance melden – das stärkt die Arzneimittelsicherheit

Prävention durch legale Lieferkette

Das beste Mittel, um Schäden durch rückgerufene oder gefälschte Medikamente zu minimieren, ist der konsequente Kauf in zugelassenen Apotheken. Das Securepharm-System ermöglicht die Echtzeit-Verifizierung jeder Packung. Fälschungen und zurückgerufene Produkte werden so erkannt, bevor sie den Patienten erreichen – sofern der Kauf in einer legalen Apotheke erfolgt.