Arzneimittelfälschungen sind ein globales Problem mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen. Zwar ist das Risiko in deutschen Apotheken minimal, doch Käufe über illegale Internet-Quellen betreffen auch Verbraucher in Deutschland. Wer weiß, woran man Fälschungen erkennt, schützt sich wirksam.

Das Ausmaß des Problems

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit zwischen 10 und 30 % aller Medikamente gefälscht sind – in einigen Entwicklungsländern sind es bei bestimmten Produkten bis zu 50 %. In Deutschland ist das Risiko beim Kauf in zugelassenen, stationären Apotheken verschwindend gering, da umfassende Kontrollen bestehen. Bei Käufen über illegale Online-Quellen ist das Fälschungsrisiko hingegen sehr hoch – Interpol und die EU-Kommission schätzen, dass mehr als die Hälfte der über nicht verifizierte Online-Quellen erworbenen Medikamente gefälscht oder von schlechter Qualität ist.

Was sind gefälschte Medikamente?

Der Begriff "Fälschung" ist weit gefasst. Arzneimittelfälschungen können vielfältige Probleme aufweisen:

  • Kein Wirkstoff oder zu geringe Wirkstoffmenge – der Patient erhält keine Therapie, die Erkrankung schreitet fort
  • Zu hohe Wirkstoffkonzentration – Überdosierung mit gefährlichen Nebenwirkungen
  • Falsche Wirkstoffe, teils gefährliche Fremdstoffe (Schwermetalle, industrielle Chemikalien)
  • Mikrobiologische Verunreinigungen – besonders gefährlich bei injizierbaren Präparaten
  • Abgelaufene Wirkstoffe oder falsch angegebene Verfallsdaten
  • Täuschend echte Verpackungen mit gefälschten Hologrammen und Seriennummern

Das Securepharm-System – Europäischer Fälschungsschutz

Seit Februar 2019 sind alle in der EU zugelassenen Apotheken verpflichtet, verschreibungspflichtige Arzneimittel über das Securepharm-System zu verifizieren, bevor sie ausgegeben werden. Das System prüft in Echtzeit, ob eine Packung echt und nicht bereits ausgegeben wurde. Auf der Verpackung finden Sie:

  • Einen 2D-Barcode (DataMatrix-Code), der eine eindeutige Seriennummer enthält und beim Scannen gegen eine europäische Datenbank geprüft wird
  • Eine Erstöffnungssicherung (Tamper-Evidence-Element) am Verpackungsverschluss, die sichtbar macht, ob die Packung bereits geöffnet wurde

Dieses System macht es nahezu unmöglich, gefälschte Arzneimittel unbemerkt in die legale Lieferkette einzuschleusen – solange der Kauf in einer zugelassenen Apotheke erfolgt.

Warnsignale für gefälschte Medikamente

  • Ungewöhnlich günstiger Preis gegenüber dem üblichen Marktpreis
  • Verpackung mit schlechter Druckqualität, ohne deutschen Text oder mit Übersetzungsfehlern
  • Fehlende, unvollständige oder fremdsprachige Beipackzettel
  • Beschädigte oder fehlende Erstöffnungssicherung
  • Ungewöhnlicher Geruch, ungewöhnliche Farbe, Brüche oder Verfärbungen der Tabletten
  • Angebot rezeptpflichtiger Medikamente ohne Rezept über das Internet
  • Lieferung aus Ländern außerhalb der EU ohne erkennbare Behördenaufsicht

Was tun bei Verdacht?

Wenn Sie eine Arzneimittelfälschung vermuten, nehmen Sie das Medikament keinesfalls ein. Bringen Sie die Packung zu Ihrer Apotheke und wenden Sie sich an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das Verdachtsmeldungen entgegennimmt und untersucht. Kaufen Sie Medikamente ausschließlich in zugelassenen Apotheken – stationär oder bei verifizierten Online-Apotheken mit EU-Sicherheitslogo. Informieren Sie auch Ihre Krankenkasse, wenn Sie den Kauf über eine Online-Quelle getätigt haben, bei der Sie nun Zweifel an der Authentizität haben, damit auch andere Patienten gewarnt werden können.