Was tun mit abgelaufenen oder nicht mehr benötigten Medikamenten? In deutschen Haushalten lagern schätzungsweise Millionen Packungen Arzneimittel, die nicht mehr gebraucht werden. Die richtige Entsorgung schützt die Umwelt, verhindert Grundwasserverschmutzung und stellt sicher, dass Medikamente nicht in falsche Hände geraten.

Restmüll – die empfohlene Standardmethode

Die von deutschen Behörden und Umweltämtern offiziell empfohlene Entsorgungsmethode ist der Hausmüll (Restmüll, schwarze oder graue Tonne) – sofern keine speziellen kommunalen Entsorgungsangebote in Ihrer Gemeinde vorhanden sind. Arzneimittelrückstände im Hausmüll gelangen in Müllverbrennungsanlagen, wo Wirkstoffe bei hohen Temperaturen nahezu vollständig verbrannt werden. Wichtig: Nicht in den gelben Sack (Leichtverpackungen) und nicht in die Biotonne geben.

Warum niemals in die Toilette oder den Ausguss

Das Spülen von Medikamenten in der Toilette oder im Abguss ist eine der häufigsten falschen Entsorgungsmethoden – und schädigt die Umwelt erheblich. Kläranlagen sind nicht darauf ausgelegt, Arzneiwirkstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Viele Substanzen – darunter Hormone, Antibiotika und Schmerzmittel – passieren die Kläranlage und gelangen nachweislich in Flüsse, Seen und das Grundwasser. Wissenschaftliche Studien dokumentieren hormonähnliche Wirkungen von Östrogenen auf Fischpopulationen und die Förderung von Antibiotikaresistenzen durch Antibiotikarückstände in Gewässern.

Rückgabe in der Apotheke

Viele Apotheken nehmen alte und abgelaufene Medikamente freiwillig zurück und sorgen für eine fachgerechte Entsorgung als Sondermüll. Diese Rücknahme ist für den Kunden kostenlos. Eine gesetzliche Pflicht zur Rücknahme besteht für Apotheken zwar nicht, doch nehmen viele Apotheken diese gesellschaftliche Verantwortung aktiv wahr. Fragen Sie in Ihrer Stammapotheke nach – dies ist die umweltfreundlichste Option für größere Mengen oder für spezielle Präparate wie Flüssigkeiten, Cremes und Spritzen.

Kommunale Sammelstellen und Schadstoffmobile

In einigen Kommunen und Landkreisen gibt es spezielle Rückgabestellen für Arzneimittelabfälle an Wertstoffhöfen oder über regelmäßige Schadstoffmobile. Diese Angebote werden leider noch nicht flächendeckend angeboten. Informieren Sie sich auf der Website Ihrer Stadt- oder Gemeindeverwaltung, ob ein solches Angebot in Ihrer Nähe besteht.

Betäubungsmittel – besondere Vorsicht

Nicht mehr benötigte Betäubungsmittel wie Opioid-Schmerzpflaster, Morphintabletten oder starke Schlafmittel müssen besonders sorgfältig entsorgt werden, um Missbrauch zu verhindern. Die bevorzugte Methode ist die Rückgabe in der Apotheke, die diese Substanzen als Sondermüll entsorgt. Wenn eine Apothekenrückgabe nicht möglich ist: Pflaster nach der Entnahme in der Mitte falten (Klebeseiten zusammen), damit der Wirkstoff nicht freigesetzt wird, dann in einem festen Behälter mit dem Restmüll entsorgen.

Sicheres Entsorgen – Kinder und Unbefugte schützen

Alte Medikamente müssen so entsorgt werden, dass sie nicht von Kindern, Haustieren oder Unbefugten gefunden und eingenommen werden können. Bewährt: Tabletten aus der Originalverpackung nehmen, mit ungenießbarem Material vermischen (z.B. Kaffeesatz, feuchte Erde oder Katzenstreu) in einen verschlossenen Beutel geben und dann in den Restmüll. So wird eine versehentliche Einnahme wirksam verhindert. Entfernen Sie vor der Entsorgung Ihren Namen und Ihre Adresse vom Etikett, wenn Ihnen der Datenschutz wichtig ist.