Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, COPD, Rheuma oder Epilepsie erfordern eine kontinuierliche medizinische Versorgung über Monate und Jahre. Die Apotheke ist dabei ein unverzichtbarer Partner für die sichere Langzeitbetreuung und unterstützt Patienten weit über die reine Medikamentenabgabe hinaus.

Dauermedikation richtig managen

Wer dauerhaft Medikamente einnimmt, sollte einige grundlegende Regeln beachten:

  • Niemals eigenmächtig absetzen oder die Dosis reduzieren, auch wenn man sich subjektiv besser fühlt – viele Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes) verlaufen lange symptomarm
  • Regelmäßige Kontrollen der therapierelevanten Laborwerte: Blutzucker (HbA1c), INR bei Marcumar-Therapie, Kreatinin und Elektrolyte bei Nierenerkrankungen, Schilddrüsenwerte bei Schilddrüsentherapie
  • Den behandelnden Arzt über alle Nebenwirkungen informieren – auch wenn sie gering erscheinen
  • Einen aktuellen Medikationsplan führen und bei jedem Arzt- und Apothekenbesuch vorlegen
  • Auf Lieferengpässe vorbereitet sein und rechtzeitig Folgerezepte beim Arzt anfordern

Hilfsmittelversorgung in der Apotheke

Apotheken sind wichtige Anlaufstellen für medizinische Hilfsmittel, die chronisch Kranke im Alltag unterstützen. Viele dieser Hilfsmittel können über die Apotheke auf Rezept bezogen werden:

  • Blutzuckermessgeräte, Teststreifen, Lanzetten und Insulinpens für Diabetiker
  • Inhalationsgeräte (elektrische Vernebler, Spacer) für Asthma- und COPD-Patienten
  • Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen bei Venenleiden und Lymphödemen
  • Orthopädische Hilfsmittel wie Bandagen, Einlagen und Stützorthesen
  • Inkontinenzhilfsmittel in diskreter Form
  • Stoma-Versorgungsartikel und Wundversorgungsmaterial
  • Blutdruckmessgeräte zur Heimüberwachung

Schulungen zur Geräteanwendung

Viele Apotheken bieten Einzel- oder Gruppenberatungen zur korrekten Anwendung von Medizingeräten an. Besonders wichtig sind Schulungen zur richtigen Inhalationstechnik – Studien zeigen, dass bis zu 70 % der Asthma- und COPD-Patienten ihr Inhalationsgerät falsch anwenden, was die Wirksamkeit der Therapie erheblich mindert. Auch die korrekte Bedienung von Insulinpens, Blutzuckermessgeräten und Kompressionsstrümpfen wird in der Apotheke erklärt.

Disease-Management-Programme (DMP)

Für viele chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, koronare Herzkrankheit, Asthma und COPD bieten die Krankenkassen strukturierte Behandlungsprogramme (DMP) an. Die Teilnahme ermöglicht eine koordinierte Versorgung zwischen Hausarzt, Facharzt und Apotheke. Chronisch Kranke, die an einem DMP teilnehmen, profitieren auch von der reduzierten Zuzahlungsgrenze (1 % statt 2 % des Bruttoeinkommens). Fragen Sie Ihre Krankenkasse oder Ihren Arzt, ob ein DMP für Ihre Erkrankung infrage kommt.

Ihre Stammapotheke – unverzichtbar bei Dauermedikation

Als chronisch Erkrankter profitieren Sie besonders von einer festen Stammapotheke, die Ihre vollständige Medikationshistorie kennt und Ihre individuellen Bedürfnisse versteht. Nur eine Stammapotheke kann Ihre gesamte Medikation überblicken, frühzeitig auf neue Wechselwirkungen hinweisen, wenn ein neues Medikament hinzukommt, und eine kontinuierliche, personalisierte Beratung gewährleisten. Bitten Sie Ihre Apotheke, eine Kundendatei mit Ihrem Medikationsplan anzulegen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Fachärzten und Stammapotheke – am besten durch regelmäßigen Informationsaustausch über den aktuellen Medikationsplan – ist der wirksamste Schutz vor Polymedikations-Risiken und der Grundstein einer sicheren Langzeittherapie.