Während der Schwangerschaft und Stillzeit müssen Frauen besonders sorgfältig abwägen, welche Medikamente sie einnehmen. Viele Wirkstoffe können die Plazentaschranke passieren und das ungeborene Kind erreichen oder in die Muttermilch übergehen. Gleichzeitig können unbehandelte Erkrankungen während der Schwangerschaft ebenfalls Risiken darstellen – eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung ist immer notwendig.

Grundprinzip: So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Das wichtigste Leitprinzip lautet: Kein Medikament ohne Rücksprache mit Arzt oder Apotheker. Dies gilt ausdrücklich auch für vermeintlich harmlose Mittel wie rezeptfreie Schmerzmittel, abschwellende Nasensprays, Hustenmittel oder pflanzliche Präparate wie Johanniskraut. Besonders kritisch ist das erste Trimester, in dem die wichtigsten Organe des Kindes gebildet werden.

Einschätzung häufig genutzter Mittel

  • Paracetamol: Lange Zeit das Schmerzmittel der Wahl in der Schwangerschaft. Neuere Studien deuten auf mögliche Auswirkungen auf die fötale Entwicklung hin, wenn es häufig und hoch dosiert eingenommen wird – daher: nur bei echtem Bedarf, in niedrigster wirksamer Dosis und so kurz wie möglich.
  • Ibuprofen und andere NSAR: Im ersten und zweiten Trimester nur in Ausnahmefällen und nach ärztlicher Abwägung; im dritten Trimester strikt kontraindiziert – erhöht das Risiko eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus und von Nierenfunktionsstörungen beim Kind.
  • ASS (Aspirin): In niedriger Dosis (100 mg/Tag) wird Aspirin in bestimmten Risikoschwangerschaften gezielt eingesetzt, um Präeklampsie zu verhindern – aber nur auf ausdrückliche ärztliche Anweisung.
  • Antazida: Manche aluminiumfreien Präparate (z.B. mit Kalziumcarbonat oder Magnesiumhydroxid) sind bei Sodbrennen in der Schwangerschaft gut verträglich; fragen Sie Ihre Apotheke.
  • Nasensprays mit Xylometazolin: Kurzfristig (max. 3–5 Tage) und in der niedrigsten verfügbaren Konzentration können sie bei starker Nasenatmungsbehinderung vertretbar sein.

Strikt kontraindizierte Wirkstoffe

Bestimmte Medikamente dürfen in der Schwangerschaft unter keinen Umständen eingenommen werden:

  • Retinoide (Isotretinoin, Acitretin) – stark teratogen, verursachen schwere Fehlbildungen
  • Thalidomid und verwandte Substanzen
  • ACE-Hemmer und Sartane – besonders im zweiten und dritten Trimester
  • Methotrexat, Mycophenolatmofetil und andere Immunsuppressiva/Zytostatika
  • Viele Antiepileptika (Valproat insbesondere – streng indiziert)
  • Cumarine (z.B. Marcumar) – im ersten und dritten Trimester

Embryotox – die wichtigste Informationsquelle

Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie (Embryotox) der Charité Berlin bietet Ärzten, Apothekern und Patienten eine kostenlose, evidenzbasierte Datenbank zur Sicherheit von Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit unter www.embryotox.de. Hier finden Sie detaillierte Bewertungen für tausende Wirkstoffe.

Chronische Erkrankungen und Schwangerschaft

Frauen mit Diabetes, Epilepsie, Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck, Asthma oder anderen chronischen Erkrankungen müssen ihre Medikation in der Schwangerschaft häufig anpassen, aber selten vollständig absetzen. Das abrupte Absetzen mancher Medikamente – besonders Antiepileptika und Antidepressiva – kann für Mutter und Kind gefährlicher sein als die Fortführung einer angepassten Therapie. Planen Sie eine Schwangerschaft frühzeitig mit Ihrem behandelnden Arzt – idealerweise schon vor der Konzeption, um die Medikation gemeinsam zu optimieren.