Mit zunehmendem Alter verändern sich Körper, Stoffwechsel und Organfunktionen – und damit auch der Umgang mit Medikamenten erheblich. Ältere Menschen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen und benötigen besondere Aufmerksamkeit von Ärzten und Apothekern.

Veränderte Pharmakologie im Alter

Im Alter verändert sich die Pharmakokinetik auf mehreren Ebenen:

  • Nachlassende Nierenfunktion: Die glomeruläre Filtrationsrate sinkt ab dem 40. Lebensjahr jährlich um etwa 1 %. Medikamente, die über die Niere ausgeschieden werden (z.B. Metformin, viele Antibiotika), reichern sich an und müssen niedriger dosiert werden.
  • Reduzierte Leberfunktion: Der hepatische Blutfluss und die Aktivität von Enzymsystemen nehmen ab. Der Abbau vieler Medikamente verlangsamt sich erheblich.
  • Veränderter Körperfettanteil: Der Körperfettanteil steigt im Alter, der Wasseranteil sinkt. Fettlösliche Wirkstoffe (z.B. Benzodiazepine) haben eine verlängerte Wirkdauer.
  • Veränderte Schleimhäuten und Magensäure: Die Magenentleerungszeit verlängert sich, die Magensäureproduktion sinkt. Dies beeinflusst die Aufnahme mancher Wirkstoffe wie Vitamin B12 und Kalzium.

Das Resultat: Medikamente wirken bei Senioren oft stärker und länger als bei jüngeren Patienten. Dosierungen müssen häufig angepasst werden.

PRISCUS-Liste – potenziell inadäquate Medikamente

Die deutsche PRISCUS-Liste (aktualisiert 2023) enthält über 80 Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen, die bei Patienten ab 65 Jahren als potenziell inadäquat gelten und nach Möglichkeit durch besser verträgliche Alternativen ersetzt werden sollten. Besonders problematisch sind:

  • Benzodiazepine und Z-Substanzen (Schlafmittel) – erhöhen Sturzrisiko und Demenzgefahr erheblich
  • Anticholinerge Substanzen (z.B. manche Antihistaminika, Blasenmittel älterer Generation, trizyklische Antidepressiva)
  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) bei Dauer-einsatz
  • Bestimmte Blutdruckmittel und Herzglykoside in zu hoher Dosierung

Sturzrisiko durch Medikamente

Stürze sind bei Senioren eine der häufigsten Ursachen für schwerwiegende Verletzungen wie Hüftfrakturen. Bestimmte Medikamente oder Kombinationen erhöhen das Sturzrisiko durch Blutdruckabfall, Schwindel, Muskelerschlaffung oder verlangsamte Reaktionsfähigkeit: Schlaf- und Beruhigungsmittel, Blutdruckmittel (besonders bei Überdosierung oder zu schneller Dosissteigerung), Antidepressiva, Diuretika und Antiepileptika sind besonders zu beachten. Eine strukturierte Sturz-Risikobewertung sollte bei jedem Medikationscheck älterer Patienten erfolgen.

Medikationscheck – unverzichtbar für Senioren

Regelmäßige Medikationschecks in der Apotheke sind für Senioren besonders wichtig. Die Apotheke kann die gesamte Medikation systematisch überprüfen, Wechselwirkungen identifizieren, PRISCUS-Wirkstoffe flaggen und Empfehlungen zur Vereinfachung und Optimierung des Medikationsplans geben. Das Ziel ist eine sichere und wirksame Therapie mit möglichst wenigen Präparaten – oft als "Deprescribing" bezeichnet.

Selbstmanagement unterstützen

Viele ältere Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Medikamente korrekt und regelmäßig einzunehmen – durch Vergesslichkeit, Sehprobleme, eingeschränkte Feinmotorik (schwieriges Öffnen von Verpackungen) oder zu viele Einnahmezeitpunkte. Dosierboxen für die Woche, verständliche und großschriftige Medikationspläne, kindersichere aber seniorengerechte Verpackungen sowie die Einbeziehung von Angehörigen können die Einnahmetreue erheblich verbessern. Fragen Sie Ihre Apotheke nach konkreten Hilfsangeboten.